Sternfreunde Borken e.V. und Firma "Meade" planen
"Josef-Bresser-Sternwarte" in Hoxfeld

Von Peter Berger, Borkener Zeitung vom 6. Dezember 2002

Wo der Große Wagen Nachts am Himmel steht, weiß fast jeder. Wann und wo Venus auftaucht, vieleicht auch noch. Doch darüber hinaus ist es mit dem Orientierungsvermögen am Himmel bei den meisten nicht weit her. Das wollen die Sternfreunde Borken e.V. mit einem ehrgeizigen Projekt ändern.

Gemeinsam mit Fachleuten der Borkener Optikfirma "Meade" planen sie eine Volkssternwarte. In der werden sie interessierten Mitbürgern die Sterne zwar nicht vom Himmel holen, aber ein ganzes Stück näher bringen. Gestern wurde das Vorhaben im Bauausschuss vorgestellt.

Auf einem gepachteten Stück Land gegenüber der Grundschule Hoxfeld entsteht voraussichtlich Anfang 2003 eine 5 x 8m große Plattform, die auf 3,50m hohen Säulen ruht. "Säulen deswegen, weil wir nicht im Bodennebel stehen wollen", erklärt Vereinsvorsitzender Günther Strauch plausibel die Konstruktion. Der wichtigste Aspekt für die Wahl des Standortes im Außenbereich: je weniger Streulicht (durch Lampen, Leuchtreklamen etc.), desto besser. Am Flugplatz wäre es zwar noch eine Spur dunkler, weswegen man ihn ursprünglich als Standort ins Auge gefasst hatte. Allerdings gestaltete sich dort die Pacht problematisch. Von Vorteil an der Grundschule ist, dass die Sternwarten-Besucher die vorhandene Infrastruktur (Parkplätze, Toiletten) nutzen können.

Projektentwurf
Projektentwurf

Auf die Plattform wird eine per Treppe erreichbare, im Durchmesser wiederrum 3,5m hohe Kuppel aufgesetzt, die rundum schwenkbar ist. In der begehbaren Kuppel befindet sich das Kernstück der Sternwarte: ein sogenanntes 16-Zoll-Schmidt-Cassegrain-Teleskop von "Meade", das größte in Serie hergestellte Teleskop dieser Bauart weltweit. Es hat eine Brennweute von vier Metern und ist mit seiner ernormen Lichtstärke ideal zur Beobachtung des "Deep-Sky", wie Astronomen das Weltall jenseits unseres Sonnensystems nennen. "Je mehr Licht ein Teleskop sammelt, desto schwächere Objekte werden sichtbar", bringt es Stauch auf eine einfache Formel.

Für Profi-Himmelgucker: Das Meade 16" LX200 GPS weist eine stellare Grenzgröße von 16,0 Mag. auf. Übersetzt heißt das: Der Blick ins All geht tief, verdammt tief. Besonderer Clou des Super-Fernrohrs ist die integrierte Objektdatenbank. GPS-gesteuert kann das Teleskop automatisch auf mehr als 147.000 Himmelskörper von A wie Andromeda bis Z wie Zwilling ausgerichtet werden. Ebenso auf relativ nahe Objekte wie 50 Satelliten, 120 Asteroiden und Kometen, 1.870 Objekte und Gebiete auf dem Mond und natürlich die Planeten von Merkur bis Pluto. Zum Vergleich: Das bloße Auge kann bei klarer Nacht höchstens 6.000 Sterne erkennen.

Im Mai 2003, passend zur nächsten Mondfinsternis, soll dei Sternwarte fertig sein.

Planen das Projekt (v.l.): Ulrich Höing (Meade) und Rolf Bresser sowie von den Sternfreunden Günther Strauch und Christian Overhaus. Foto: pet
Planen das Projekt (v.l.): Ulrich Höing (Meade) und
Rolf Bresser sowie von den Sternfreunden Günther Strauch
und Christian Overhaus. Foto: pet

Mit Beobachtungsabenden, wahrscheinlich zwei pro Woche, wollen die Sternfreunde die Astronomie in Borken und Umgebung populär machen. Auch die Schulen will der Verein in sein Programm einbeziehen. Das Projekt ist mit insgesammt 110.000 Euro veranschlagt. Dass es möglich wird, liegt vor allem an der Firma "Meade" und Ihrem Anteilseigner Rolf Bresser. Der Astro-Verein und die Telekop-Entwickler haben sich gesucht und gefunden: "Wir sind ideale Partner" , freut sich "Meade"-Prokurist Ulrich Höing. Die Firma spendet das Teleskop (30.000 Euro), Bresser legt aus eigener Tasche 35.000 Euro dazu. Die Stadt hat einen Zuschuss von 40.000 Euro signalisiert. "Weitere Gönner sind willkommen", wirbt Stauch um Vereinsmitglieder und Sponsoren.

Für Rolf Bresser ist die Sternwarte eine Herzensanliegen: Zur Erinnerung an seinen Vater und Unternehmensgründer soll sie "Josef-Bresser-Sternwarte" heißen. Bresser hofft, bei den Besuchern "Entdeckerfreuden" zu wecken. Die Astronomie sei einer der interessantesten Wissenschaften, die es gibt: "Die Welt kennen wir in- und auswendig, den Himmel aber nur zum Bruchteil", philosophiert er.

Clear Skies,
Günther Strauch

Seite drucken | Kontakt | Impressum | © 2017 Sternfreunde Borken e.V.

Besucher: 87.823 | Letztes Update: 07.05.2016